Frühstück mit Udo Lindenberg

In den Ferien kann man endlich mal lange zusammen mit den Kindern frühstücken. Bei der gemeinsamen Mahlzeit realisiert sich die Familie. Oder: wird die Familie erst zur Familie. Oder so ähnlich, ich müsste noch mal in diesem Erziehungsbuch gucken.

Alle, auch der Übernachtungsgast, ein Freund meines elfjährigen Sohns, sind schnell satt und wollen sofort weglaufen. Den Kindern ist der Wert des Beisammenseins noch nicht bewusst, sie merken nicht, wie das starke Erlebnis der Tischgemeinschaft sie in gute Bahnen lenkt.

Noch ein wenig sollen sie bleiben:

„Wartet mal, ich hab’ ne super Idee: Jeder von uns erzählt die verrückteste Geschichte, die er in der letzten Zeit gehört hat!“, schlage ich vor.

Niemand antwortet, bedrückte Gesichter: „Och, Papa …“

Ich spüre, dass ich durch Beispiel begeistern muss, und sage: „Okay, okay: Ich fang an!“

Jetzt habe ich ihre Aufmerksamkeit, denn sie erwarten, dass ich eine richtig coole Story zu erzählen habe.

Habe ich aber nicht. Verdammt, was ist los? Totale plötzliche Leere im Kopf.

Das war’s, diesmal stehen sie wirklich auf, nur der Gastjunge ist höflich und wartet, ob noch was von mir kommt.

Jetzt sprudele ich los: „Also, ich habe neulich gehört, dass Udo Lindenberg, als er klein war, von seinem Vater gesagt bekam: ‚Junge, du bist viel zu schlau! Wenn man so schlau ist, gibt das nur Ärger!’, und dass er ihn dann in die Kneipe mitgenommen und ihm Bier zu trinken gegeben hat … damit er nicht zu schlau wird! Ist das nicht verrückt?“

Sie sehen mich stumm an, ein paar Sekunden. Dann antwortet mein achtjähriger Sohn: „Verrückt? Verrückt finde ich, dass Du Dich für Udo Lindenberg interessierst!“

Und sie rennen, alle gleichzeitig redend, aus dem Zimmer.

Wenn ich richtig zähle, sind es nur noch vier Tage, bis die Schule wieder anfängt.

1 Kommentar

Das kann doch mal passieren.

by Bernolf on 18. April 2015 at 13:36. #

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Sieht keiner außer mir.

Kann.